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DAS RÖMISCHE EPHESOS

BILD: CELSUSBIBLIOTHEK, CREDIT: ÖAI/Niki Gail

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Als der pergamenische König Attalos III. 133 v. Chr. starb, vermachte er sein Reich testamentarisch dem römischen Volk. Die Stadt Ephesos wurde somit Teil der römischen Provinz Asia. Dass die römische Herrschaft bei der Bevölkerung nicht nur auf Zustimmung stieß, zeigt die Euphorie, mit welcher der pontische König Mithridates VI. bei seinem Versuch, die Provinz zu erobern, unterstützt wurde: Über alle in der Provinz lebenden Italiker wurde das Todesurteil verhängt, und allein in Ephesos sollen im Jahr 88 v. Chr. in einer einzigen Nacht 80.000 Menschen gewaltsam zu Tode gekommen sein. Der mit der Niederschlagung des Aufstandes beauftragte Feldherr Cornelius Sulla entzog der Stadt die Freiheit und machte sie wieder tributpflichtig.

Im Jahr 33 v. Chr. überwinterten Marcus Antonius und seine Gattin, die ägyptische Königin Kleopatra, in Ephesos und organisierten von hier aus den Krieg gegen Octavian, den späteren Kaiser Augustus. Octavians Sieg bei Actium bedeutete nicht nur das Ende der römischen Republik, sondern auch eine Neuordnung der Provinz Asia. Ephesos wurde nun ständiger Sitz der römischen Provinzverwaltung und Hauptstadt (Metropolis Asiae). Der Zugang zum Meer machte es zu dem Wirtschaftszentrum Kleinasiens: Der Hafen diente als Umschlagplatz für Waren aller Art. Auf den Ländereien des Artemisions wurden landwirtschaftliche Produkte angebaut und verhandelt, zudem fungierte das Heiligtum als Kreditbank und Wallfahrtszentrum. Gezielte, als politisches Instrument eingesetzte Bauvorhaben verstärkten den römischen Charakter der Stadt.

Als der Apostel Paulus zwischen 52 und 55 n. Chr. in Ephesos predigte, sah er sich nicht nur mit einem ausgeprägten heidnischen Kultleben, sondern auch mit einer lebendigen jüdischen Gemeinde konfrontiert. Als Folge eines Aufstandes, angeführt vom Silberschmied Demetrios, verließ Paulus die Stadt, um seine missionarische Tätigkeit in Korinth fortzusetzen. Im 2. Jh. n. Chr. erlebte Ephesos seine Blütezeit. Zahlreiche Monumente sind Zeugnisse dieser glanzvollen Epoche: Private Stiftungen wohlhabender Bürger dienten dem Gemeinwohl ebenso wie dem eigenen Andenken. Ab 230 n. Chr. setzte ein deutlicher wirtschaftlicher Rückgang ein, für den eine Serie von Erdbeben, die in einer Katastrophe um 270 n. Chr. gipfelte, sowie Überfälle gotischer Verbände verantwortlich gemacht werden können. Das Artemision wurde geplündert, der Tempel selbst niedergebrannt. Deutliche Spuren dieser Zerstörungen ließen sich auch im Stadtgebiet selbst nachweisen; der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahrzehnte. Einen letzten Aufschwung erlebte Ephesos erst wieder im 5. Jh. n. Chr.

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